Am Mittelmeer

Das Spätsommerlicht malt ein Muster von Palmen und Telefonmasten auf die Straße. Wir fahren die Küste entlang, ohne ein bestimmtes Ziel zu haben. Wir werden nur immer vom Wind begleitet.

Der Wind kam kurz nach dem Sturm. Es ist ein heftiger Wind. Man kann kaum am Strand sitzen. Wir gehen trotzdem hinunter, um den Surfern auf dem milchig grünen Wasser zuzuschauen. Wir sind in Giens, einem der beliebtesten Spots in Frankreich, wovon an sich schon die vielen Surfbars und -Läden zeugen.

Auf einem Campingplatz höre ich, wie sich zwei Leute über den Wind unterhalten. Der eine sagt es sei ein Mistral, und dass der Wind noch einige Tage anhalten wird. Er ist wahrscheinlich auch Surfer. Uns bringt der Wind jedoch nicht weiter. Wir sind zu einem Stillstand gekommen. Finn hat sich sehr auf das Mittelmeer gefreut, und es tut mir Leid dass jetzt alles vom Mistral erdrückt wird.

Ich höre wie die Blätter der Bäume rauschen, als der Wind durch sie hindurch fährt, und wie das Meer rauscht, als der Wind über es hinüber weht. Da wo wir den Rausch einer Reise wollten, ist erst einmal nur noch ein rauschen übrig.

Eines Morgens ist der Wind weg.

Am Horizont liegen zusammengeknüllt ein paar Wolkenberge. Ich bemerke auf einmal, dass ich wieder Vögel hören kann. Man sieht auch wieder Insekten umher fliegen. Der Mistral hatte alles zum Stillstand gebracht, jetzt geht es aber weiter.

Wir fahren an der Küste entlang nach Saint Tropez und hören Air. Wozu man sagen muss, dass Air zwar an sich schon großartige Musik macht, diese Musik aber auf Südfranzösischen Küstenstraßen noch einmal um einiges besser wird.

Wir fahren durch Saint Tropez hindurch. Vielleicht hätten wir mehr Folgen von der gleichnamigen Telenovela sehen sollen, die vor vielen Jahren mal im Fernsehen lief, dann hätten wir eher gewusst was uns erwartet. Damit einem Saint Tropez gefällt, muss man offenbar reich und schön sein. Für alle anderen ist es nämlich nur ein langweiliges Touristendorf.

Wir fahren also weiter. Irgendwo finden wir einen Parkplatz an einem Strand und beschließen für die Nacht da zu bleiben. Das Meer ist noch vom Sturm aufgewühlt, und hohe Wellen schlagen an den Strand. Wir machen in der Nähe vom Strand, in einer kleinen Felsbucht ein Feuer. Oder besser gesagt, Finn macht das Feuer, ich sitze daneben und bin ehrlich begeistert darüber, wie er es schafft mit einem Feuerzeug, etwas Gras und ein wenig Holz tatsächlich ein Feuer anzuzünden.

Die Freude dauert aber nicht lange, da uns schon bald ein Franzose, der ein paar Meter von uns entfernt campt, erklärt, dass es hier verboten sei Feuer zu machen, die Polizei nach dem Rauch Ausschau halten würde und es zweitausend Euro Strafe kostet ein Feuer zu machen. Feuer wird also wieder ausgemacht. Später geht Monsieur Franz Hose mit seiner Frau zum wilden Liebesspiel in unsere Bucht. Vielleicht war das mit der Geldstrafe also auch nur ein Trick.

Am nächsten Tag sagen wir Franz Hose und seinen Freunden Lebewohl und fahren weiter nach Italien.


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